Nachlese CDU verweist auf „geringere Einbussen“ als bei anderen Wahlen – SPD: Erfolgreich gegen Trend gestemmt

Liberale und Grüne sind hochzufrieden

Nachlese CDU verweist auf „geringere Einbussen“ als bei anderen Wahlen – SPD: Erfolgreich gegen Trend gestemmt

Wertheim Die Sitzverteilung im neuen Wertheimer Gemeinderat steht fest, nun ziehen die Parteien Bilanz: Die Wertheimer Zeitung sprach mit den Ortsvereinsvorsitzenden oder Listenführern über die Ergebnisse.

Die CDU zieht mit elf Räten und damit einem Mandat mehr in den Rat ein. Stadtverbandsvorsitzender Dr. Bernd Kober war gestern bis zum Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Er hatte aber bereits am Montag eine Pressemitteilung zum Ergebnis verbreitet. Darin betont Kober, dass die CDU bei der Gemeinde-ratswahl „deutlich geringere Einbussen“ hinnehmen musste als bei Europawahl und Kreistagswahl. Es sei den Wertheimer Christdemokraten gelungen, sich „ein Stück weit dem bundesweiten Trend“ entgegenzusetzen.

Ein Ergebnis, das uns hoffen lässt. Patrick Schönig (SPD) zu den Wartberg-Stimmen Die SPD holte sechs Mandate und ist damit in der alten Stärke vertreten. „Wir haben unser ambitioniertes Ziel von acht Sitzen nicht erreicht“, räumte Ortsvereinsvorsitzender Patrick Schönig ein. ärgerlich sei, dass die Sozialdemokraten beim Auszählen der letzten Bezirke noch den siebten Sitz verloren. Die Zahlen aus Reicholzheim und Dörlesberg seien „ernüchternd“ gewesen und hätten wohl diesen weiteren Sitz gekostet. Leider sei Dorothea Meisinger deshalb nicht mehr eingezogen. Schönig verwies aber auch auf Erfolge der SPD: Laut ihm haben die Sozialdemokraten auf dem Wartberg ein Ergebnis geholt, „das uns für die Zukunft hoffen lässt“. Die Arbeit der Fraktionsvorsitzenden Renate Gassert „trägt hier endlich Früchte“, sagte Schönig.

„Ich würde gerne mal eine Kommunalwahl erleben, bei der die SPD im Bund für uns und nicht gegen uns ist“, kommentierte Schönig den überregionalen Abwärtstrend der Partei. „Wir haben als Wertheimer SPD vielleicht auch nicht die einfachsten Jahre hinter uns“, sagte er zur Konsolidierung des Ortsvereins. Was unter diesen Voraussetzungen jetzt als Wahlergebnis herausgekommen sei, „war so schlecht nicht“.

Die Freien Bürger Wertheim kommen im neuen Gremium auf vier Mandate und büssten damit einen Sitz ein. „Wir können unter den gegebenen Voraussetzungen zufrieden sein“, sagte Listenführerin und Stadträtin Songrit Breuninger. Mit Dr. Jutta Finkenauer und Gerhard Kohout, die nicht erneut angetreten waren, hätten die Freien zwei Zugpferde verloren. „Es war klar, dass wir das nicht kompensieren können“, sagte Breuninger.

Weitere Gründe für das schlechte Abschneiden seien die nicht gefüllte Liste und das Festhalten von Werner Kozyra am Schrägaufzug gewesen. Breuninger verwies darauf, dass für diese Aussagen vor allem die Liste abgestraft worden sei: Kozyra selbst fuhr ein besseres Ergebnis als bei der vorigen Wahl ein. Laut Breuninger ein Hinweis darauf, dass viele Wähler dessen Standhaftigkeit schätzten. Die Stadträtin sagte, dass es schön sei, dass sie, Kozyra und Freien-Stimmenkönig Hubert Sadowski jeweils besser abgeschnitten hätten als bei der vorigen Wahl. Mit dem Ergebnis von Johann Vogeltanz, der als vierter Freier einzieht, sei sie „sehr zufrieden“: Es sei eine Überraschung, dass dieser beim ersten Mal so gut abgeschnitten habe.

Die FDP kommt auf drei Sitze und schickt so mit Rainer Uebe einen weiteren Stadtrat ins Gremium. Er sei „natürlich sehr zufrieden“ mit diesem Ergebnis, kommentierte Ortsverbandsvorsitzender Reimund Klein. „Wir haben alle unsere Wahlziele erreicht“, sagte der Listenführer. Es sei den Wertheimer Liberalen gelungen, in Fraktionsstärke in den neuen Stadtrat einzuziehen und die absolute Mehrheit der Christdemokraten zu verhindern.

Wir können unter den gegebenen Voraussetzungen zufrieden sein. Songrit Breuninger (Freie Bürger Wertheim) Als Grund für diesen Erfolg sieht Klein weniger den grossen Zulauf, den die Liberalen derzeit bundesweit geniessen: Vielmehr sei ausschlaggebend gewesen, dass er und Stadtrat Michael Althaus im Gemeinderat einen „guten Job“ gemacht hätten. Die Wähler seien mit der Politik der FDP zufrieden.

Ich habe eigentlich eher mit anderen an der Spitze gerechnet. Birgit Väth (Grüne) über ihr Abschneiden Die Grünen verdoppelten ihre Sitze: Sie stellen nun zwei Stadträte. Ortsverbandsvorsitzende Birgit Väth sagte, dass sie schon auf ein gutes Ergebnis gehofft habe, aber vor allem von ihrem persönlichen Abschneiden überrascht sei: „Ich habe eigentlich eher mit anderen an der Spitze gerechnet“, sagte die Stimmenkönigin der Grünen. Ein wichtiger Grund für den Erfolg sei das Wirken der Partei und ihres bisherigen Stadtrats Richard Diehm: „Unsere Arbeit wurde nun honoriert.“

Als weitere Gründe führte Väth den sachlichen Wahlkampf an: Die kurze Liste der Grünen habe sich zwar erst kurz zuvor gefunden, sei in der Zeit bis zur Stimmabgabe aber gut zusammengewachsen. „Doppelte Freude“ bereite ihr, dass es gelungen sei, auch ohne den amtierenden Stadtrat Diehm so viele Stimmen zu holen: Ein Taktieren mit Diehm auf der Liste, der dann bald „abdankt“, sei nicht in Frage gekommen. Väth hofft nun, dass sie trotz ihrer Anstellung am Krankenhaus in den Stadtrat einziehen kann (siehe weiteren Bericht). Daniel Gehret

Wertheimer Zeitung, 10.06.2009