Grüne wollen mehrere Sitze im Rat

Wahlkampf: Benz fordert für die Burg Abenteuerspielplatz statt Schrägaufzug

Väth: Kindergärten sollten kostenlos sein

Bezog bei seiner Vorstellung klar Position als Opposition: Grünen-Kandidat Gerhard Benz (links), hier mit Lothar Buchstaller.
Daniel Gehret

Wertheim Die Wertheimer Grünen wollen im neuen Gemeinderat wieder vertreten sein – am liebsten mit mehreren Sitzen: „Fraktion wollen wir werden – das steht fest“, sagte Vorsitzende und Listenführerin Birgit Väth bei der Wahlkampfveranstaltung am Donnerstagabend im Tauber-Hotel Kette. Acht der zwölf Kandidaten der Grünen stellten sich in lockerer Runde untereinander und den etwa zehn Zuhörern vor.
Gerhard Benz präsentierte sich als Erster und stellte Leitlinien grüner Politik in der Großen Kreisstadt dar: „Es gibt eine Menge an überzogenen und unsinnigen Straßenbauprojekten in Wertheim“, sagte der 39-Jährige. Als Beispiele führte er die Eicheler Steige und die Reaktivierung der Eisenbahnbrücke über die Tauber an. Die Energiepolitik der Stadt sei „rückständig und ideenlos“. Künftig sollten auf nahezu allen öffentlichen Gebäuden Sonnenkollektoren installiert werden.

„Rückständig und ideenlos.“
Gerhard Benz über die Wertheimer Energiepolitik

Zur Diskussion über Solaranlagen in der Altstadt merkte die Vorsitzende an: „Das ist nicht verboten, es ist nur nicht gewünscht.“ Anwohner, die eigentlich Solarpaneele auf ihr Dach bauen wollten, ließen sich einschüchtern. Die „irrsinnigen Pläne mit der Burgbahn“ sollten eingestellt werden, fuhr Benz fort. Als Gegenvorschlag führte er einen Abenteuerspielplatz an: Dieser würde junge Familien auf die Burg locken und nicht nur Bustouristen, die laut Benz sogar ihren eigenen Kaffee mitbringen.
Er habe den Eindruck, dass Bürger in Wertheim „aus wichtigen politischen Entscheidungen herausgehalten werden sollen“, sagte der Oberstudienrat. Dies zeigten die vielen Bürgerbegehren. Hermann Rebitzer, der einst für die SPD und dann für die Freien Bürger im Gemeinderat saß, bezeichnete daraufhin das Kaufland-Gebäude als „Gefängnis Stadelheim 2“. Der Altstadtrat meldete sich auch zu anderen Themen zur Wort und war am Ende einer der Hauptredner des Abends.

„Es sind hier Leute am Drücker, denen wirklich die Ideen fehlen“, sagte Udo Dorant, der Grünen-Kandidat aus Sachsenhausen. Der Gemeinderat sollte sich nicht von Firmen, die etwas verkaufen wollen, beraten lassen, sondern von Unabhängigen. Der amtierende Grünen-Stadtrat Richard Diehm merkte dazu an: „Du bist im Gemeinderat der Verwaltung quasi ausgeliefert.“

„Es sind hier Leute am Drücker, denen wirklich die Ideen fehlen.“
Udo Dorant, Kandidat aus Sachsenhausen

Martin König führte als einen Grund für seine Kandidatur an, dass er sich über einige Projekte in Wertheim, etwa das Gaskraftwerk und das Kaufland, aufgeregt habe. Er will künftig Bürger besser in Entscheidungen einbinden. Begeistert ist er von der direkten Form der Demokratie in der Schweiz. Als weiteren Schwerpunkt nannte er den Umweltschutz: Hier habe er Erfahrung, da als einer der Geschäftsführer auch beim Musikzubehörhersteller König & Meyer für dieses Thema zuständig sei. „Ein Windpark da oben bei Höhefeld, ich sehe nicht das große Problem damit“, sagte der diplomierte Kaufmann.
Auch Bernhard Strobl sieht seinen Schwerpunkt im Umweltschutz: „Der McDonald’s und der Autohof hinterlassen deutliche Spuren“, kritisierte der Bettinger. Das Expo-Camp sei „nicht unbedingt eine landschaftliche Bereicherung“. Dies gelte auch für Kaufland.
Der Bauphysiker Dr. Arnim Schwab sagte, dass er sein technisches Können gerne einbringen würde. Wertheim habe es bislang verpasst, die öffentlichen Gebäude energetisch zu sanieren. Jetzt, wo das Geld knapp werde, komme der Unterhalt der Stadt teuer zu stehen.
Lothar Buchstaller stellte sich launig vor. Der Rentner fordert, dass man in Wertheim auch ohne Auto anständig leben kann. Hans Müller-Rodenbach sagte, dass die Jugendhäuser und die Jugendarbeit auch bei Sparrunden nicht zu knapp kommen dürften. „Das sind Sachen, die zuerst gestrichen werden“, kritisierte er. Im Nahverkehr gebe es „viele Mankos“, etwa die mangelnde Werbung für die Rufbusse. Die Stadt setze zu oft auf große Strukturen, etwa beim Einzelhandel mit dem Kaufland: „Jetzt haben wir noch den Handelshof – aber wie lange? Angeblich zehn Jahre, glaube ich aber nie im Leben“, sagte Müller-Rodenbach.
Vorsitzende Väth sagte bei ihrer Vorstellung, dass die Kindergärten in Wertheim ganz wichtig seien. Diese sollten am besten für die Eltern nichts kosten, „zumindest im letzten Jahr“.
Neben den Gemeinderatskandidaten stellten sich die Kreistagskandidaten Claudia Bube, Kerstin Ulrich, Richard Diehm und Eberhard Feucht vor. Für beide Gremien kandidieren Väth und Müller-Rodenbach. dag

Wertheimer Zeitung 15.Mai 2009