Blick in die Woche: Vom Wetter bis zur Nachlese

Blick in die Woche: Vom Wetter bis zur Nachlese

Passiert – notiert – glossiert

Wechselhaft. Einen schönen guten Tag wünsche ich, Ihnen liebe Leserinnen und Leser. Eine knappe Woche ist er nun alt, der Sommer 2009. Und zumindest bei den Temperaturen macht sich der Beginn der, für viele, schönsten Jahreszeit ja auch bereits bemerkbar. Ansonsten aber gibt es durchaus noch Steigerungspotenzial. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Hoffen. Den Blick „nach oben“ richten werden in diesen Stunden besonders häufig die Organisatoren des zweiten Benefizlaufes des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, die Verantwortlichen der Burgfestspiele in Freudenberg und nicht zuletzt die Veranstalter der Wertheimer Burgnächte. Nur drei Beispiele von vielen, wo man alles andere brauchen kann – aber zumindest keinen Regen.

Nachwuchs. Ein Erfolg war, der Berichterstattung zufolge, der Informationstag der Städtischen Jugendmusikschule. Und das ist auch gut so. Es ist zu erwarten und zu hoffen, dass es bei zahlreichen der Besucher nicht beim „Kommen, Schauen, Ausprobieren“ bleiben wird, sondern dass dies bei möglichst vielen von ihnen dazu führt, ein Instrument erlernen zu wollen. Es muss ja nicht gleich bis zur Teilnahme an „Jugend musiziert“ führen. Aber ausgeschlossen ist es auch nicht. Wer weiss, bestimmt waren beim Informationstag schon einige der Preisträger von übermorgen dabei.

Einblicke. „Aha, so sieht das hier also aus.“ Eine Bemerkung, die man derzeit häufiger beim Gang durch die Altstadt zu hören bekommt, wenn man sich den Baustellen in der Zoll- und in der Eichelgasse nähert. Die Abrissarbeiten sind beendet, und bevor es nun an den Neuaufbau geht, bieten sich für kurze Zeit ganz ungewohnte Ansichten.

Worte. Es ist wieder einmal die Hoch-Zeit der Zitate. Gerade für ihren Auftritt bei Schulabschlussfeiern schöpfen die Rednerinnen und Redner aus einem schier unermesslich scheinenden Schatz dessen, was bekannte, bedeutende, wichtige Menschen einmal gesagt haben (sollen). Auch die Absolventen des Wirtschafts- und Technischen Gymnasiums am Beruflichen Schulzentrum bekamen so einiges zu hören. Was sie daraus machen, wird die Zukunft zeigen müssen.

Locker. Ein Glücksgriff gelang den Organisatoren besagter Feier bei der Wahl des Rahmenprogramms. Was „Festredner“ Arnim Töpel zu sagen hatte, tat er humorvoll, hintersinnig, auf Augenhöhe mit seinen Zuhörern. Er redete und sang in einer Sprache, die – das zeigten die Reaktionen – nicht nur die jungen Menschen offensichtlich verstanden haben. Ein wohltuender Kontrast zu dem, was man bei ähnlicher Gelegenheit so zu hören und zu sehen bekommt.

Bedeutsam. Eine Gemeinsamkeit haben der gerade zum Honorarprofessor ernannte Stefan Gläser und sein Wertheimer Nachfolger Stefan Mikulicz: Für beide wird 2011 wohl ein wichtiges Jahr. Bei Gläser endet die erste Amtszeit als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetages Baden-Württemberg, für Mikulicz sind die ersten acht Jahre als Oberbürgermeister in Wertheim dann vorbei. Wie es weitergeht, wissen beide derzeit so recht nicht. Medienberichten zufolge sei ein Versuch Gläsers, seinen Vertrag vorzeitig bis zum Erreichen der Pensionsgrenze verlängern zu lassen, vor geraumer Zeit erst einmal gescheitert. Ob die Wählerinnen und Wähler den Vertrag mit dem derzeitigen Oberbürgermeister 2011 prolongieren werden, das ist derzeit ebenfalls Gesprächsthema.

Streitpotenzial. Es gibt nicht nur eine Wahrheit, sagte Arnim Töpel bei der Verabschiedung der Abiturienten des Beruflichen Schulzentrums. Stimmt, heisst es wohl bei den Grünen. Ihre Wahrheit ist, der Gemeinderat habe einen Ermessensspielraum, wenn er am Montag über die Frage entscheidet, ob Birgit Väth in der neuen Legislaturperiode von Beginn an Mitglied des Gremiums sein kann. Stimmt nicht, lautet wohl die Haltung der Verwaltung unter Verweis auf die Gemeindeordnung. Ob da am Ende womöglich Richter eine Entscheidung treffen werden?

Geduld. Dabei scheint es doch so, als müsse Väth nur abwarten, um, zwar nicht von Anfang an, aber doch noch in diesem Jahr, in den Gemeinderat einziehen zu können. Denn, wie man so hört, wurde dem Versetzungsgesuch von Gerhard Benz, ebenfalls neu gewählter Gemeinderat auf der Liste der Grünen, stattgegeben. Und dieser wird Wertheim demzufolge in absehbarer Zeit verlassen. Dann wäre, wenn das nicht zu früh passiert, der Weg frei für Birgit Väth.

Scheibchenweise. In einem Punkt aber muss man den Grünen durchaus Recht geben. Lange trat man von Seiten der Verwaltung dem Eindruck nicht entgegen, als ginge es „nur“ um den Zeitpunkt der konstituierenden Sitzung des neuen Gemeinderates, und wenn man diesen verschiebe, könne damit der Hinderungsgrund für einen Einzug der grünen Spitzenkandidatin in das Gremium aus der Welt geschafft werden. Dass es auf den Eintrag in das Handelsregister ankommt, damit kam man erst ziemlich spät heraus.

Spannungen. Also mag man sich auf Landesebene auch Gedanken über eine mögliche Zusammenarbeit von „Schwarzen“ und „Grünen“ machen. In der Main-Tauber-Stadt indessen scheint das nur schwer denkbar zu sein. Die Junge Union jedenfalls hat derzeit eindeutig die Grünen als ihre „Lieblingsgegner“ entdeckt.

Nachlese. Gar nicht mit dem politischen Gegner oder der Verwaltung beschäftigten sich offensichtlich die Sozialdemokraten, als sie ihr Wahlergebnis beleuchteten. Und das ist auch gut so. Denn zuerst sollte man sich eigentlich mit sich, mit der Frage, was man richtig oder falsch gemacht hat, beschäftigen. Diese Aufarbeitung steht bei der einen oder anderen politischen Gruppierung in Wertheim noch aus. Elmar Kellner

Fränkische Nachrichten – 27. Juni 2009